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„Mit Händen und Füßen“

Roswitha Reckers bringt Asylanten ehrenamtlich die deutsche Sprache bei
ASCHEBERG/HERBERN. „Ich komme aus Guinea“, sagt Lamine in fließendem Deutsch und strahlt. Keine Selbstverständlichkeit, wenn man bedenkt, dass der Student aus Afrika gerade einmal seine zweite Deutschstunde absolviert.

Ein Werbeaufsteller dient als Tafel, ein Blatt Papier einer Schreibtischunterlage alsSchreibfläche. Mit einfachen Mitteln gestaltet die Herbernerin Roswitha Reckers "ihren Deutschunterricht". Tina Nitsche
Ein Werbeaufsteller dient als Tafel, ein Blatt Papier einer Schreibtischunterlage alsSchreibfläche. Mit einfachen Mitteln gestaltet die Herbernerin Roswitha Reckers „ihren Deutschunterricht“. Tina Nitsche

Möglich macht das Roswitha Reckers. Die Herbernerin bringt den Asylanten die deutsche Sprache bei. Ehrenamtlich und unter erschwerten Bedingungen. Denn sie verfügt über kein Auto und wird für Fahrten von Tochter Jenny unterstützt.
„Ich bin jetzt keine Lehrerin und das hier ist auch kein Sprachkurs mit Vorbereitung auf A1, also die Prüfung die zur Beantragung der Staatsbürgerschaft abgelegt wird“, betont Roswitha Reckers. Vielmehr vermittelt sie den Neuankömmlingen die wichtigsten Dinge, um sich im Alltag verständigen zu können. „So lernen sie die deutschen Namen für die Körperteile, damit sie beim Arztbesuch mitteilen können, was ihnen weh tut oder die alltäglichen Begrüßungen und Begriffe, die für den Einkauf notwendig sind“, gibt Reckers Einblicke in den Lehrstoff. Und dabei arbeitet sie mit einfachsten Mitteln. Ein Aluaufsteller auf dem ein Blatt einer Schreibtischunterlage klebt, dient als Tafel. „Es funktioniert, aber die Gemeinde hat eventuell noch eine Schultafel für uns“, freut sie sich. Der Unterricht findet in den Räumen der Ascheberger Tafel statt und Roswitha Reckers ist glücklich, dass die Einrichtung ihr die Möglichkeit bietet. Auf dem Tisch tummeln sich Blöcke und Stifte am Montagabend. „Das haben die Schülerhilfe und die Hundeschule Kehrmann gespendet“, ist Reckers überwältigt von der Hilfestellung vieler Menschen nach ihrem Aufruf auf Facebook. „Ich bin die ganze letzte Woche auf Wolken geschwebt, solche Unterstützung hätte ich nicht erwartet.“
Am Montag hat sie die zweite Unterrichtsstunde erteilt. Mit Araya und Lamine sitzen zwei Asylanten aus Herbern am Tisch. „Die kommen bei Wind und Wetter mit dem Fahrrad nach Ascheberg“, weiß Reckers, dass auch hier Hilfe notwendig ist. Denn die Fahrräder sind teilweise noch nicht mal verkehrstüchtig, und Arayas wurde ihm sogar gestohlen. Aber die Mühen, die die beiden auf sich nehmen, haben sich schon jetzt gelohnt. „Die deutsche Sprache ist schwer ein bisschen“, verrät Araya, der aus Eritrea (Afrika) kommt. Und Lehrerin Roswitha ist ein richtig stolz über den sprachlichen Erfolg nach nur einer Stunde. Am Tisch treffen unterschiedlichste Nationalitäten aufeinander. Roswitha Reckers schafft mit ihrem ehrenamtlichen Einsatz eine gemeinschaftliche Verständigung. „Mit deutsch haben sie eine gemeinsame Sprache, ansonsten verständigen wir uns auf englisch, französisch, mit Händen und Füßen“. Tina Nitsche

Info: Spenden werden benötigt

Viele Dinge fehlen noch, darunter Radiergummi, Anspitzer, Bleistifte, Schnellhefter und ein Buch Deutsch als Fremdsprache, Rucksäcke, Regenjacken und vieles mehr. Wer helfen möchte kann sich an Roswitha Reckers, Tel. (0 25 99) 741 8558 wenden.

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