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Nach alter Großväter Sitte

Nachdem sie es einmal gezeigt bekommen hatten, griffen die Landfrauen selber zum Teig, brachen ihn gutgelaunt auf und formten einen Brotlaib daraus. Foto: Tina Nitsche
Nachdem sie es einmal gezeigt bekommen hatten, griffen die Landfrauen selber zum Teig, brachen ihn gutgelaunt auf und formten einen Brotlaib daraus. Foto: Tina Nitsche
Ascheberger Landfrauen backen Brot in der Bäckerei Lüningmeyer
ASCHEBERG. Die Hände versinken in der beigen Masse und bringen den runden Teigklumpen gekonnt in eine längliche Form.
Es sieht spielend einfach aus, als Martin Weiß auf diese Weise mehrere Laibe Brot formt. Gerlinde Frye schaut genau hin, Sabine Rohlmann und Angelika Högemann legen sogar selbst Hand an. Mit einem Lächeln auf den Lippen und sichtlich viel Spaß schaffen auch sie es den Teig in die richtige Form zu bringen. Aber hier in der Backstube von Heiner Lüningmeyer lernen die Landfrauen am Mittwochnachmittag noch sehr viel mehr. „Vom Korn zum Brot“ heißt es dort. Martin Weiß, Kolpingvorstand und seines Zeichens gelernter Bäcker, hatte die Idee zu diesem Nachmittag.
In der Bäckerei Lüningmeyer war schnell der passende Ort zum Brotbacken gefunden. Dabei schlug Weiß gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Er vermittelte den Landfrauen den Weg vom Korn zum Brot, gleichzeitig aber auch Werte des Bäckerhandwerks. Denn aufwendige Maschinen und Technik – Fehlanzeige. „Gebacken wird zu Fuß, alles von Hand und das täglich“, so Weiß. Bäckermeister Heiner Lüningmeyer formulierte es noch präziser: „Wir backen hier noch wie zu Großvaters Zeiten“.
Gerlinde Frye ist völlig begeistert. „Ich habe hier viele Anregungen für meine heimische Küche mitgenommen, aber noch mehr fasziniert bin ich von der Tatsache, wie hier auf dem Land in unseren Bäckereien gebacken wird. Von wegen Fertigteig und Konservierungsstoffe“. Nein, Pülverchen werden auch am Donnerstag nicht eingesetzt. „Backpulver steht nicht auf der Rezepturliste, früher gab es für alles ein Pülverchen, davon sind wir heute ab“, so Weiß. Statt dessen landet der Teig im Gärverzögerer. „Dort wird die Gärung verzögert. Der Vorteil: die lange Teigruhe wirkt sich förderlich auf Geschmack und Aroma aus“, erklärt Heiner Lüningmeyer. Sabine und Angelika sind inzwischen fertig. Nun greifen sie zum Pinsel und verpassen dem länglichen Teig, der, wenn er fertig ist, eine „Herbstkruste“ werden soll, einen Wasseranstrich. Anschließend wird er in Haferflocken und Maisgranulat gewälzt, bevor je zwei Brotlaibe in einer blauen Kastenform landen. Diese gehen in den Gärverzögerer und werden danach eine Dreiviertelstunde im Ofen gebacken.
„Das hätte man schon mal viel eher machen sollen, zu Hause schlägt’s manches Mal auch fehl mit dem Brotbacken“, bringt es Gaby Jahnke auf den Punkt. Doch nicht nur sie hat am Mittwoch einiges gelernt, damit es auch zu Haue klappt mit dem Brotbacken. Denn das man die Körner vor der Verarbeitung einweichen muss, das wussten einige Damen nicht. Tina Nitsche

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Die neuen drei „Ks“

Regina Selhorst ist die Frau an der Spitze des Landfrauenverbandes

HERBERN. Ihre neue Aufgabe empfindet Regina Selhorst als spannend. Denn die 51-jährige Herbernerin will als frischgebackene Präsidentin des Westfälisch-Lippischen Landfrauenverbandes eine Menge bewegen. Eine echte Aufgabe, denn sie steht einem äußerst starken Verband vor, der 43 000 Mitglieder zählt und zu dem 20 Kreis- und 377 Ortsverbände gehören. Dabei hat die Diplom-Verwaltungswirtin feste Ziele vor Augen, wobei sie auch mit manchem „verstaubten“ Image aufräumt. Von wegen Kinder – Küche – Kirche! „Wir haben neue drei Ks“, sagt sie, „nämlich Kommunikation, Kooperation und Kompetenz, wobei Kinder dabei selbstverständlich sind.“ Entsprechend ist die Bildungsarbeit ein großes Thema für die neue Präsidentin. Die neuen Medien werden effizient genutzt, wobei Selhorst dabei nie die alten Werte aus den Augen verliert. „Es gibt nichts wichtigeres als miteinander zu reden, denn nur so kann man eine Menge erreichen.“ Sie setzt auf den modernen Dialog, weil sie weiß, dass er funktioniert. Schließlich wird genau dieser durch die vorhandene Struktur im Verband gelebt. Das bisweilen „angestaubte“ Image der Landfrauen, passt mit der Realität nicht mehr überein. „Wir sind modern, obwohl wir auch noch alte Werte leben, wie beispielsweise das Handarbeiten. Bei uns wird noch gehäkelt, ja, aber wir häkeln Boshi-Mützen und die sind trendig“. Als neue Präsidentin ist es Regina Selhorst, die selbst Landfrau mit Leib und Seele ist, ein wichtiges Anliegen, dass die Menschen traditionelle Attribute wieder zu schätzen lernen und trotzdem ein realistisches Bild der Landwirtschaft erhalten. „Wir brauchen hier keine Streichelzoos, keine Museumslandwirtschaft und schon gar keine Landlustromantik“, weiß sie, dass, wenn es die Landwirtschaft nicht gäbe, es auch um die Ernährung schlecht bestellt wäre. Dabei setzt sie jedoch Landfrau nicht gleich mit Bäuerin. „Wir sind natürlich auch Interessensvertreter der Bäuerinnen, aber der Verband gliedert sich zur Hälfte in Bäuerin und zu 50 Prozent in Frauen aus dem ländlichen Raum auf.“ Mitglied kann in dieser Gemeinschaft jede werden. Wobei Selhorst sehr wohl weiß, dass Frauen aus ländlichen Bereichen andere Interessen als Frauen in der Stadt haben. Auf Landesebene macht sie sich stark für den Klimaschutz, den sie als politisches Thema sieht. „Wir funken auf allen Kanälen“, setzt sie in ihrem neuen Amt auf Teamwork, neue Medien und alte Werte. TN