Es war einmal…

…eine alte Kastanie im Pfarrgarten St. Lambertus

ASCHEBERG. Das rot-weiße Flatterband signalisiert: Kein Durchgang. Die Säge summt dahinter ohne Unterbrechung, feine Späne tanzen durch die Luft. Und dann plötzlich kommt Bewegung ins Spiel und ein Teil des Baumstammes kracht gen Boden, wo er dumpf aufschlägt.

Burkhard Börger verfolgt das Schauspiel am Samstagmorgen im Pfarrgarten. „Ja, irgendwie tut das weh“, gibt er zu. „Jetzt wird der tägliche Blick aus dem Büro anders sein“, fügt der Verwaltungsreferent der Pfarrgemeinde St. Lambertus an. Diese alte Kastanie, an ihr hängen Erinnerungen. Es war einmal… eine Silberhochzeit, es waren einmal viele tolle Veranstaltungen, die dort auf dem Rasen in ihrem Schatten stattgefunden haben. „Ja, es war einmal….“, sagt auch Christian Raters.
Der Land- und Forstwirtschaftliche Dienstleister koordiniert die Baumfällaktion zunächst vom Boden aus. Hoch oben in der Luft schwingt Bernd Rohlmann vom Hubsteiger aus die Säge. Scheibchen für Scheibchen arbeitet er sich voran. Da ist Muskelarbeit gefragt, denn die alte Kastanie gibt nicht so einfach nach. „Aber, schau“, nimmt Christian Raters den soeben zu Boden gefallenen Teil des Baumstamms näher unter die Lupe. „Er ist hier hohl der Baum“, weist er auf ein großes dunkles Loch.

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Nachdem der erste Teil des Stammes am Boden lag wurde ersichtlich, dass der obere Stamm des Baumes hohl war. Foto: Tina Nitsche

Seine zuvor geäußerten Vermutungen bestätigen sich. Zumindest für den oberen Teil des Baumes. Doch das ist nicht der Grund, weshalb die alte Kastanie weichen muss. „Im Frühjahr sind Äste rausgekracht, das war zu gefährlich.“ Dem Grund dafür kam ein Gutachter auf die Spur. Das Bakterium Pseudomonas syringae pv. Aesculi oder einfach ausgedrückt Pilzbefall. „Der Pilz sitzt meistens hinter der Rinde und irgendwann unterbricht er dann die Wasser- und Nährstoffaufnahme des Baumes“, erklärt Fachmann Christian Raters.
Unterdessen bohrt sich das Sägeblatt erneut in das Holz und frisst sich Stück für Stück voran. Raters nimmt Augenmaß. „Na ja, zwei Mal noch, dann können wir den Baum ganz fällen“. Er, Christoph Stiens und Bernd Rohlmann sind ein eingespieltes Team. Der über 100 Jahre alte Baum stellt sie somit nicht vor eine ganz große Herausforderung. Aber die Aktion kostet Zeit. Bereits am Freitag haben die Vorarbeiten sieben Stunden gedauert. Am Samstag gesellen sich weitere sechs Stunden hinzu. „Aber mit dem Fällen alleine ist es nicht getan, in der kommenden Woche legen wir dann noch mal Hand an, wenn wir die Wurzeln ausfräsen“, so Raters. Denn zukünftig soll hier ja ein neuer Baum seinen Platz finden. „Vielleicht eine Amber, aber so genau wissen wir das noch nicht“, verrät Burkhard Böiger.

Der Baumstamm ist unterdessen soweit geschrumpft, dass der Traktor anrückt. Wieder bohren sich zunächst die Sägeblätter ins Holz, dieses Mal im unteren Teil. Und dann, dann ist es soweit, die Baggerschaufel leistet Schützenhilfe beim Anschieben. Der große Stamm gerät ins Wanken und kippt krachend um. Raters begutachtet den Stamm und stellt fest, dass die ersten Schichten noch gut durchfeuchtet sind und der Baum im unteren Bereich auch keine Hohlräume mehr aufweist. Fast 100 Jahre liegen mittags am Boden. „Ja, es war einmal… der Kastanienbaum“, sagt Burkhard Börger wehmütig. Tina Nitsche

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