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Von wegen auf der Überholspur!

Florian Posch reist gemütlich – auf dem 26. Trabi-Tag begeisterte er mit seinem Barkas-Umbau / Trabant-Club Sputnik verzeichnet Teilnehmerrekord auf der Wiese vom Bauernhof St. Georg
ASCHEBERG. „Ich bin immer der Langsamste“, gibt Florian Posch fröhlich zu und streicht über die blaue Außenhaut seines Barkas B1000. Ein ganz besonderes Ossi-Fahrzeug mit dem er da am Samstag nach Ascheberg zum großen Trabi-Tag gereist ist. „Er ist einer von insgesamt 12 Fahrzeugen“, ist Florian richtig stolz. Denn sein Barkas, der gerade einmal 31 000 KM gefahren ist und 45 PS unter der Haube hat, ist in Belgien von er Firma Pieraux zum Camper umgebaut worden. Dieses ist nur in ganz kleiner Serie geschehen. „Und einen von diesen zwölf habe ich!“, bekräftigt Florian mit Blick auf sein Schätzchen.

Ist mit einer echten RAität aus dem OSten unterwegs: Florian Poschen. Foto: Tina Nitsche
Ist mit einer echten RAität aus dem OSten unterwegs: Florian Poschen. Foto: Tina Nitsche
Eines, das auf kleinster Fläche alles bietet. Sitzgelegenheiten, Küche und Schlafstätte unter dem Dach, das sich weiß vom Rest des Fahrzeuges abhebt. „So ein Fahrzeug findet man nicht noch einmal, vor allem weil es das einzigste seiner Art ist, das noch gefahren wird. Die anderen stehen in Museen“, erzählt Florian.
Er ist direkt von einer Rundreise aus Ostdeutschland nach Ascheberg gefahren. Zum zweiten Mal nimmt er am Trabi-Tag teil. „Beim ersten Mal habe ich hier noch in einem Trabi genächtigt“, gibt er schmunzelnd zu. Doch nun reist er komfortabel. „Da bin ich quasi auf der Autobahn schon im Urlaub“, sagt er. Denn auf der Überholspur ist er nie zu finden. Dafür zieht er mit seinem Barkas-Umbau, für den er übrigens beim Trabi-Tag den ersten Platz eingeheimst hat, alle Blicke auf sich.
Doch das haben in Ascheberg auch viele andere Fahrzeuge getan. 245 Ost-Fahrzeuge haben für viel Ostalgie und einen neuen Rekord auf dem Bauernhof St. Georg gesorgt. Farbenprächtige und verzierte Rennpappen, kultige Zweiräder, Armeefahrzeuge, ja selbst Raritäten wie ein Chromgrill-Wartburg oder ein Lada ließen die Herzen der Fans höher schlagen. Eines haben sie alle gemeinsam: Sie kommen ohne Hightech aus und bestechen durch Einfachheit. Der Blick unter die Motorhaube zeigt: Einfachste Technik. „Da kann man(n) noch bequem selbst Hand anlegen, wenn etwas repariert werden muss“, so Thomas Wentker, Vorsitzender vom Trabant-Club Sputnik, der den Trabi-Tag organisiert hat. Ein gelungenes Wochenende mit jeder Menge Fachsimpeleien, Benzingesprächen und Ostalgie. Ohne die kam auch die Sputnikiade nicht aus, die mit Spielen wie Zündkerzenwechsel. Kanisterstemmen oder Hasenwerfen alle Generationen begeisterte.
Auch Petrus war der Veranstaltung wohlgesonnen und lockte viele Besucher zum Bauernhof St. Georg. Am Sonntag haben die Rennpappen und Ostfahrzeuge Ascheberg wieder verlassen. Auch Florian Poch mit seinem blauen Barkas, der im Sommer die Heizung anwerfen muss, „damit der Motor nicht heiß läuft.“ Genüsslich peilt er nun sein nächstes Ziel an. Langsam, nicht auf der Überholspur, dafür mit der Gewissheit auf ganz besondere Art zu reisen. Tina Nitsche

Info:
Die weiteste Anreise legte Sven Höhne zurück. Er reiste aus dem 643 KM entfernten Zittau an.

Blick unter die Haube - einfachste Technik, die begeistert. Foto: Tina Nitsche
Blick unter die Haube – einfachste Technik, die begeistert. Foto: Tina Nitsche

Bei der Sputnikiade war Muskelkraft gefragt, wie hier beim Benzinkanister-Stemmen.
Bei der Sputnikiade war Muskelkraft gefragt, wie hier beim Benzinkanister-Stemmen. Foto: Tina Nitsche

Die Rennpappen aus dem Osten zogen die Blicke auf sich.
Die Rennpappen aus dem Osten zogen die Blicke auf sich. Foto: Tina Nitsche

Der Barkas B 1000 von Florian Poschen ist einer von insgesamt 12 Exemplaren, der wurde in Belgien zu einem Camper umgebaut wurde.  In der Klasse der IFA-Nutzfahrzeuge heimste Poschen den ersten Platz ein. Foto: Tina Nitsche
Der Barkas B 1000 von Florian Poschen ist einer von insgesamt 12 Exemplaren, der wurde in Belgien zu einem Camper umgebaut wurde. In der Klasse der IFA-Nutzfahrzeuge heimste Poschen den ersten Platz ein. Foto: Tina Nitsche

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Trabi-Tag feiert Silberhochzeit

Zum Jubiläum gibt es eine Versteigerung
ASCHEBERG. Es riecht verdächtig nach Leckereien vom Grill. Die untergehende Sonne taucht die große Wiese am Bauernhof St. Georg am Donnerstagabend in warmes Licht. Es herrscht geschäftiges Treiben. Da werden Zelte und Wohnwagen hergerichtet, Ersatzteile begutachtet und die ersten Trabis haben die Wiese bereits erobert. Doch bis zum Samstag werden es noch jede Menge mehr.
Nicht nur die DDR-Rennpappen, sondern auch Wartburgs, Zweiräder wie Schwalben und Simsons, haben sich angesagt. Längst vergangene Zeiten lassen grüßen. Ein Hauch DDR liegt in der Luft. „Wir erwarten rund 200 Fahrzeuge“, freut sich Thomas Wentker, Vorsitzender des ausrichtenden Trabant-Club Sputnik. Logisch, schließlich gibt es am Samstag, 1. August, etwas zu feiern. „Silberhochzeit sozusagen“, verrät Gero Bastian (Trabant-Club Sputnik). Denn seit 25 Jahren treffen sich die Trabi-Freunde nunmehr einmal jährlich zum großen Trabitag. Zum achten Mal dabei übrigens in Ascheberg. Für die Organisatoren bedeutet das jede Menge Arbeit. Aber im Vergleich zum Vorjahr müssen sie in diesem Jahr nicht mit nassen Plätzen kämpfen. Dafür haben sie schon seit Wochen an einer ganz besonderen Idee anlässlich des 25. Treffens gefeilt. „Und diese erfolgreich umgesetzt“, weist Thomas Wentker auf ein kleines Zelt. Darunter parkt ein brauner Anhänger. „Marke DDR-Eigenbau, komplett restauriert und völlig stabil“, fügt Gero Bastian stolz hinzu.
Vor allem aber, sofort einsatzbereit für den künftigen neuen Besitzer. Denn der Anhänger verfügt sowohl über TÜV als auch Zulassung. Wer ihn bekommt? Diese Frage wird am Samstag geklärt. Denn dann wird das handgefertigte Stück um 15.30 Uhr zu Gunsten des Bauernhof St. Georg versteigert. „Auf amerikanisch“, schmunzelt Wentker. Hierbei wird eine Uhr gestellt. Alle Gäste dürfen mitmischen und solange einen Euro bieten bis die Uhr klingelt. „Wer dann einen Euro abgegeben hat, dem gehört das gute Stück“, so Wentker. Doch auch ansonsten wird den Gästen jede Menge geboten. Die Sputnikiade mit lustigen Aufgaben und attraktiven Preisen ist nur eine davon. Rennpappen und Typisches aus der DDR wie beispielsweise am Stand des Geschmackzentrum Ost, sind andere Attraktionen. Tina Nitsche
http://www.trabantclub-sputnik.de/

Trabischrauber-Urgestein, Raritäten und ein Dübener Ei

Thorsten reiste mit einem  Dübener Ei Würdig zum Trabi-Treffen nach Ascheberg. Die Kuschelkugel gilt als einer der leichtesten gebauten Wohnwagen und bietet von innen reichlich Platz. Foto: Tina Nitsche
Thorsten reiste mit einem Dübener Ei Würdig zum Trabi-Treffen nach Ascheberg. Die Kuschelkugel gilt als einer der leichtesten gebauten Wohnwagen und bietet von innen reichlich Platz. Foto: Tina Nitsche
Eine echte Rarität bestaunten die Besucher beim Trabitag for dem Gelände: Einen IFA. der mit Sicherheit den ersten Platz in der Wertung eingefahren hätte, wenn sein Besitzer ihn offiziell zum Trabitag gemeldet hätte, statt ihn vor dem Gelände abzustellen. Foto: Tina Nitsche
Eine echte Rarität bestaunten die Besucher beim Trabitag for dem Gelände: Einen IFA. der mit Sicherheit den ersten Platz in der Wertung eingefahren hätte, wenn sein Besitzer ihn offiziell zum Trabitag gemeldet hätte, statt ihn vor dem Gelände abzustellen. Foto: Tina Nitsche
Mit dem orignellsten Kennzeichen reiste Sebastian aus Düsseldorf an.  Gelesen: DDR für die Herkunft des Fahrzeuges, 6.9.74 für die Erstzulassuzng und H als Angabe für die Umweltzone. Foto: Tina Nitsche
Mit dem orignellsten Kennzeichen reiste Sebastian aus Düsseldorf an. Gelesen: DDR für die Herkunft des Fahrzeuges, 6.9.74 für die Erstzulassuzng und H als Angabe für die Umweltzone. Foto: Tina Nitsche
Gelungener Trabi-Tag in Ascheberg bot Vielfältigkeit
ASCHEBERG. Die braun-beige Außenhaut ist makellos, sein Alter sieht man dem IFA F8 nicht an. „Der ist echt schick“, kann Trabi-Fan Holger seine Blicke gar nicht abwenden von der Rarität, die da vor der eigentlichen ostalgischen Ausstellungsfläche auf der Wiese des Bauernhof St. Georg abgestellt ist. „Das ist eines der ersten Fahrzeuge, die nach dem zweiten Weltkrieg gebaut wurde, vorher hieß er nur DKW. Ein Luxusauto, aber nicht wehrmachtstauglich, da er einen luftgekühlten Motor hat“, gibt Holger seine umfangreichen Fachkenntnisse über die ostdeutschen Fahrzeuge am Samstag beim sechsten Ascheberger Trabi-Tag nur allzu gerne wieder. „Preisverdächtig“, findet Thomas Wentker, der mit dem Trabant-Club-Sputnik den großen Trabi-Tag in Ascheberg organisiert hat. Den Gästen wird dabei eine große Vielfalt geboten. Fachsimpeleien und Gespräche sind auf der großen Wiese an der Tagesordnung. „Mit so vielen Besuchern haben wir gar nicht gerechnet, die Leute sind begeistert, es werden von Jahr zu Jahr mehr“, freuen sich Wentker und seine Mitstreiter. Über 200 Fahrzeuge haben den Weg nach Ascheberg gefunden. „Die Vielseitigkeit des Trabis ist unglaublich“, ist eine Besucherin fasziniert. Das Besondere an dem Trabitag ist jedoch nicht nur die Vielfältigkeit, die die Trabifreunde mit ihren unterschiedlichsten Gefährten aufbieten. Nein, sie stillen richtiggehend den Wissensdurst der Rennpappen-Fans. So erklärt Thorsten, das sein Dübener Ei Würdig 301 als einer der leichtesten gebauten Wohnwagen gilt und trotz seiner kugeligen Form viel Platz bietet. Tracy hat mit ihrem schmucken blauen Kübelwagen ihr echtes Frauenauto gefunden. Haare im Wind flattern lassen, offenes Verdeck, besser geht es im Sommer nicht. Einziger Nachteil: „Eine Fahrt ist nicht besonders Frisurenfreundlich“, sagt sie lachend. Der orangefarbene Barkas B100 dessen Drehleiter fast in den Himmel reicht, zieht eine Reihe weiter viele Blicke auf sich. Das ostalgische Auto von Lothar Göcke wird dann auch als schönstes IFA-Nutzfahrzeug gekürt. Die Atmosphäre auf der Wiese ist entspannt und von guter Laune, Spiel, Spaß und Sportlichkeit bei der Sputnikiade sowie von vielen Sehenswürdigkeiten geprägt. Trabis und Schwalben knattern immer mal wieder über den Platz. Im Dauereinsatz ist Jochen Trommler. Unermüdlich legt er Hand an, repariert hier, wechselt einen Reifen dort, während die Sonne vom Himmel brennt. „Den kennen wir gar nicht anders als mit unsauberen Händen“, verrät Bianca. Zu seiner Überraschung erhält das Trabischrauber-Urgestein abends einen Ehrenpokal. Zum schönsten Auto hätte Thomas Wentker und sicherlich auch die Jury am liebsten das Prachtstück IFA F8 vor der Ausstellungsfläche gekürt. „Der hätte beste Chancen auf eine Prämierung, aber leider hat er sich dazu nicht angemeldet“, so Wentker. Tina Nitsche